Die Stadt der Viertelstunde (2023-2024)

S&W hat in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und dem ForschungsBüro Scheiner (FBS) das Forschungsprojekt "Die Stadt der Viertelstunde" bearbeitet. Das dem Programm "Allgemeine Ressortforschung" zugeordnete Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und dem Bundesinsitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert.

In dem Forschungsprojekt wurde das Konzept der „Stadt der Viertelstunde“ erstmals umfassend für Deutschland empirisch untersucht. Ziel war es, die räumlichen Voraussetzungen und die tatsächliche Nutzung wohnortnaher Alltagsangebote aus einer deutschlandweiten Perspektive zu analysieren.

Mithilfe hochauflösender Erreichbarkeitsanalysen (für 100x100 m-Zensusraster) wurde bundesweit ermittelt, in welchen Städten und Quartieren zentrale Alltagsziele wie Nahversorgung, Bildung, Gesundheit und Freizeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbar sind. Hierzu wurde drei Indikatoren implementiert:
• X-Minuten-Stadt: Wie viele Minuten werden im Durchschnitt benötigt, um die 24 relevanten Gelegenheitsarten zu erreichen?
• 15-Minuten-Stadt-Erfüllungsgrad: In welchem Ausmaß sind die verschiedenen Dimensionen alltäglicher Bedürfnisse mit ihren jeweils relevanten Gelegenheiten tatsächlich innerhalb von 15 Minuten erreichbar?
• 15-Minuten-Stadt-Index: Wie stellt sich die räumliche Verteilung der 15-Minuten-Stadt bei Berücksichtigung komplexerer Bedürfnisse und Anforderungen dar? Der Index differenziert zwischen vier Altersgruppen und berücksichtigt Wahlmöglichkeiten und Hypernaherreichbarkeit.

 

Darüber hinaus wurde analysiert, in welchem Umfang die Bevölkerung diese nahräumlichen Angebote tatsächlich nutzt. Mittels Haushaltsbefragungen wurde zudem Wahrnehmungen und Nutzungsmuster des Angebots der „Stadt der Viertelstunde“ in vertiefenden Fallstudien in neun Städten sowie mögliche Hemmnisse einer aktiveren und wohnortnahen Alltagsmobilität untersucht.

Die Studie zeigt, dass viele Merkmale einer 15-Minuten-Stadt in Deutschland bereits deutlich verbreiteter sind als allgemein angenommen. Zugleich besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Qualität der Naherreichbarkeit und dem Alltagsmobilitätsverhalten der Bevölkerung, insbesondere im Hinblick auf die Verfügbarkeit und Nutzung des Pkw. Die gute Erreichbarkeit von Alltagszielen besitzt für die Menschen einen hohen Stellenwert. Allerdings wird die Wahlfreiheit bei der Auswahl von Angeboten und Zielen häufig als wichtiger empfunden als deren räumliche Nähe. Gleichzeitig stellt die Wahrnehmung von ungünstigen Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr ein wesentliches Hemmnis für eine stärkere Nutzung kurzer Wege und damit für die weitere Umsetzung des Konzepts der 15-Minuten-Stadt dar.

Die Ergebnisse wurden publiziert: Schwarze, B., Spiekermann, K., Bauer, U., Lohaus, J., Scheiner, J. (2025): Die Stadt der Viertelstunde. BBSR-Online-Publikation 27/2025. Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). https://doi.org/10.58007/8m7z-qr40